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CRANIOMANDIBULÄRE DYSFUNKTION
CMD, Kiefergelenkssyndrom, engl.: Craniomandibular Disorders

Der Begriff

Unter dem Begriff craniomandibuläre Dysfunktion werden schmerzhafte, aber auch nicht schmerzhafte Beschwerden zusammengefasst, die im Zusammenhang mit der Kiefergelenkfunktion stehen, oder darauf zurückzuführen sind. Die Störungen bei der craniomandibuläre n Dysfunktion sind muskuloskeletaler Art, d.h., sie betreffen das Kiefergelen k, die Kaumuskulatur oder angrenzendes Gewebe.
Im Volksmund wird die craniomandibuläre Dysfunktion oft auch einfach als „Kiefergelenkssyndrom“ oder „Kiefergelenksproblem“ beschrieben. Verwendet wird auch häufig die Schreibweise „
kraniomandi buläre Dysfunktion und im Englischen heißt die Krankheit „craniomandibular disorders“.

Verwandte, inhaltlich aber nicht völlig identische Begriffe für die craniomandibuläre Dysfunktion sind: Myoar thropathien des Kauorgans, Funktionsstörungen des Kauorgans, Temporomand ibular Disorders.

Die Symptome (= Krankheitszeichen) beim Kiefergelenkssyndrom

Typische Zeichen für eine craniomandibuläre Dysfunktion sind häufige Kopfschmerzen, Probleme bei der Mundöffnung und beim Kauen sowie Knackgeräusche oder Schmer zen Bereich des Gesichts (der Kaumuskulatur) und bzw. oder des Kiefergelenks. Weitere wichtige Symptome der craniomandibuläre n Dysfunktion sind Kiefergelen kgeräusche und Einschränkungen der Unterkieferbeweglichkeit bis hin zu vollständigen Blockaden.

Erstmals beschrieben wurde dieser Symptomkomplex 1934 beschrieben. Die Erkrankung tritt in unserem Kulturkreis recht häufig auf. Untersuchungen haben ergeben, dass ca. 5 bis 10 Prozent der deutschen Bevölkerung an dieser Erkrankung leiden. Interessanterweise sind 80 Prozent der Patienten weiblich. Die craniomandibuläre Dysfunktion tritt meistens im Alter von 20 bis 40 Jahren auf. Die in der Fachsprache mit „CMD“ abgekürzte Erkrankung ist weder bösartig noch gefährlich („man kann damit 100 Jahre alt werden“). Dennoch ist die craniomandibuläre Dysfunktion (das Kiefergelenkssyndrom) oft schmerzhaft und kann langfristig sogar zu Verschleißerscheinungen am Kiefergelen k führen. Im Zusammenspiel von im Wesentlichen fünf Muskelpaaren, dem linken wie rechten Kiefergelen k und einem komplexen Band- und Gelenkkapselapparat sind wir in der Lage, den Mund zu öffnen und den Un terkiefer zur Seite und nach vorn zu bewegen. Störungen in diesem System können zu Schmer zen in der Kaumuskulatur und im Kiefergelen k führen. Außerdem kann es passieren, dass die Mundöffnung eingeschränkt wird oder Geräusche im Kiefergelen k (Knacken, Reiben) auftreten. Die craniomandibuläre Dysfunktion kann auf lange Sicht damit sehr unangenehme, chronische Schmer zen bewirken.

Nicht selten tritt eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) zusammen mit einem Tinni tus auf. Eine direkte Verbindung zwischen arthrogenen Kiefergelenksstörungen (Kiefergelenkssyndrom) und Tinnitus konnte zwar noch nicht wissenschaftlich eindeutig bewiesen werden. allerdings sind neuromuskuläre und funktionelle Zusammenhänge für diese oft parallele Symptomatik zu vermuten.

Diagnose

Zur Feststellung einer craniomandibuläre n Dysfunktion (Kiefergelenkssyndrom) empfiehlt sich eine umfassende zahnärztliche und kieferorthopädische, evtl. auch eine HNO-ärztliche Untersuchung. Auch eine funktionsdiagnostische Untersuchung sollte erfolgen.

Der dringende Verdacht auf eine craniomandibuläre Dysfunktion besteht dann, wenn bei der Auskultation (= beim Abhören) beider Kiefergelen ke unterschiedliche Bewegungs- bzw. Schließgeräusche zu hören sind.

Ursachen

Die möglichen Ursachen für ein Kiefergelenkssyndrom sind vielschichtig und können grob in drei große Gruppen eingeteilt werden, die individuelle Wertigkeit ist verschieden:

Die Hauptursache für die craniomandibuläre Dysfunktion und eine Reihe weiterer Krankheitszeichen im Kop f-, Nac ken- und Schul terbereich ist eine Über- oder Fehlbelastung der Kaumuskulatur und der Kiefergelen ke. Leider werden diese Beschwerden oft gar nicht, oder falsch diagnostiziert und bleiben somit unbehandelt.

Orthopädische Probleme, insbesondere Probleme der Halswirbelsäule können auf die craniomandibuläre Dysfunktion (Kiefergelenkssyndrom) entscheidenden Einfluss haben. Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass Fehlhaltungen der Wirbelsäule im Zusammenhang mit Beschwerden im Ki eferbereich stehen und damit zu einer craniomandibuläre n Dysfunktion führen können.

Zu den psychischen bzw. psychosomatischen Leiden, die u. U. eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) begünstigen, zählt v. a. Stress. Jeder Mensch reagiert anders auf übermäßigen Stress. Manche Menschen bekommen Magenschmerzen, andere Bluthochdruck und manche Menschen knirschen mit den Zähnen. Stress, so wird heute allgemein angenommen, ist die Hauptursache für das Zähneknirschen. Weitere Gründe können eine Fehlstellung des Bisses und fehlerhafte Zahnkontakte sein. Bei einer normalen Funktion des Kauorgans befinden sich die Zähne zum Kauen oder beim Schlucken im Verlaufe des Tages ca. 15 Minuten miteinander in Kontakt. In der verbleibenden Zeit kann sich die Kaumuskulatur entspannen, die Zähne berühren sich nicht. Die Folge des „Bruxismus“, wie das Zähneknirschen in der Fachsprache auch genannt wird, ist die übermäßige Abnutzung und Verletzung der Zähne. Bei nächtlichem Knirschen fühlt sich der Kiefer morgens nach dem Aufwachen oft steif und ermüdet an, die Mundöffnung ist eingeschränkt. Wenn sich die Beschwerden über den Tag verschlimmern, knirschen Sie auch am Tage unbewusst mit den Zähnen. Außerdem können durch die hohe Belastung während des Knirschens Beschwerden in den Kiefergelen ken und der Kaumuskulatur und damit eine craniomandibuläre Dysfunktion auftreten.

Weitere Ursachen für die Beschwerden in Rahmen einer craniomandibuläre n Dysfunktion können Angewohnheiten sein, die die Kaumuskulatur dauerhaft überlasten oder eine unnatürliche Stellung des Unterkiefers verursachen. Dazu gehören das Kauen auf Fingernägeln oder Schreibgeräten, übermäßiges Kaugummikauen, das Schlafen auf dem Bauc h oder eine häufige Fehlhaltung des Kopfes. Beschwerden der craniomandibuläre n Dysfunktion treten auch infolge einer schlechten Sitzhaltung auf und gehen in der Regel mit spürbaren Verspannungen im Bereich der Nackenmuskulatur einher. Schließlich können auch traumatische Einflüsse, wie ein Schlag auf das Kinn, ein Schleudertrauma, lang andauerndes Mundöffnen beim Zahnarzt oder im Rahmen einer Intubationsnarkose eine craniomandibuläre Dysfunktion bewirken. Ähnliche Effekte können auch durch schlecht angepaßten Zahnersatz entstehen.

In manchen Fällen kann eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) auch im Zusammenhang mit einer systemischen Erkrankung stehen (wie Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises, z.B. Arthritis, usw).

Die Therapie

Die Therapie der craniomandibuläre n Dysfunktion sollte stets individuell in Absprache mit einem Physiotherapeuten erfolgen. So haben wir z.B. auch gute Erfolge mit der kraniosakralen Therapie gesehen. Weitere Maßnahmen:

Mit invasiven und anderen irreversiblen Behandlungsmaßnahmen ist bei der craniomandibuläre n Dysfunktion grundsätzlich Zurückhaltung zu üben. Eine sog. „systematische okklusale Einschleiftherapie“ wird nicht empfohlen. Bei Menschen, deren schmerzhafte Kaumuskel- und/oder Kiefergelen kbeschwerden (Kiefergelenkssyndrom) in Zusammenhang mit einer systemischen Erkrankung stehen (wie Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises), muss die Behandlung primär auf die Grunderkrankung ausgerichtet sein.

Für Patienten mit persistierenden
Schmer zen wird ein abgestuftes Vorgehen empfohlen. Grundsätzlich sollten dieselben Prinzipien zur Anwendung kommen, die auch bei Patienten mit in anderen Körperbereichen lokalisierten chronischen Schmer zen gelten. Chirurgische Eingriffe an den Kiefergelen ken sind nur bei einem sehr geringen Prozentsatz der Patienten indiziert; Risiken und Nutzen sind genau gegeneinander abzuwägen. Der Einsatz psychologischer Therapiemaßnahmen wird bei der craniomandibuläre n Dysfunktion als sinnvoll erachtet.

Spezielle Schmerztherapie bei craniomandibuläre r Dysfunktion

Bei einer craniomandibuläre n Dysfunktion (Kiefergelenkssyndrom) hat sich eine in kürzeren Abständen wiederholte Infiltration der Kaumuskulatur mit einem langwirkenden örtlichen Betäubungsmittel (z.B. Bupivacain 0,25-0,5%) bewährt, ebenso Blockaden (= Betäubungen) der beteiligten Ner ven im Gesich tsbereich (supraorbitalis, infraorbitalis und auriculotemporal is).
Als nächst höhere Therapiestufe kommen dann engmaschige Blockaden des Ganglion cervicale superior
(= eine vegetative Schaltstelle im hinteren Rachenbereich) oder auch des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) in Frage. Das Ganglion stellatum kann auch kontinuierlich mittels eingepflanztem Katheter betäubt werden.

Vor allem in Hinblick auf ein mögliches Rezidiv (= Rückfall) ist bei einem Kiefergelenkssyndrom ein EMG-Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung der bioelektrischen Muskelaktivität) zu empfehlen.

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